Leserbrief an die Zeit, den ich an Hannelore Kraft geschickt habe (Reaktion weiter unten):

Die ZEIT: 4. März, 2004, Seite 38, WISSEN

Der Artikel “Lockruf der Heimat” beschreibt Deutsche in Amerika, die sich nach ihrer Heimat sehen. Viele wollen wieder nach Deutschland zurück aber es ist schwieriger als sie denken. Der Artikel führt unterschiedliche Gründe an:

- Den Forschern fehlt es an Bewerbungserfahrung

- Die Kontakte in die Heimat sind eingeschlafen

- Die Bezahlung schreckt ab (BAT)

- Das Hochschulrahmengesetz sorgt für Verwirrung

Das sind alles lächerliche Gründe. Wer sich einen Namen auf dem internationalen Feld gemacht hat, kriegt auch eine Professur in Deutschland. Spätestens dann hat man alle Kollegen auf Konferenzen oder Vortragsreisen persönlich kennengelernt. Und die sitzen letztendlich in den Berufungskommissionen und entscheiden, ob jemand Professor wird oder nicht.


Professor werden kann man immer noch in Deutschland. Aber was ist mit denen, die nicht Professor werden werden können oder wollen? Da sieht es schlecht aus. Die Uni bietet keine Karriereleiter. Sie bietet für Wissenschaftler unterhalb der Professur keine Existensgrundlage.


Stellen Sie sich ein Bewerbungsgespräch in einer Firma vor und der Personalchef sagt Ihnen: “Sie haben jetzt 6 Jahre Zeit sich zum Geschäftsführer hochzuarbeiten. Wenn sie es bis dahin nicht geschafft haben, dann werfen wir sie wieder raus. Egal ob sie gut oder schlecht waren. Und: wenn sie es nicht geschafft haben, dann verhängen wir auch noch ein Berufsverbot, was verhindert, dass sie sich auf andere Stellen in Ihrem Fach bewerben können. Sie müssen in einer anderen Brance Karriere machen.”


Das klingt absurd aber es ist Realität in Deutschland. Wenn man sich auf eine Stelle als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bewirbt, hat man 6 Jahre Zeit Professor zu werden. Wenn man bis dahin keine Stelle gefunden hat, wird man automatisch gekündigt und kann sich auch nicht mehr auf andere Stellen bewerben. Gerade diese Regelung treibt im Moment tausende von Forschern ins Ausland und da werden die auch bleiben, bis sich die Verhältnisse ändern. Besonders Forscher, die eine Familie ernähren müssen, haben das Land schon lange verlassen. Da mag der Lockruf der Heimat noch so laut sein. Der motiviert niemanden zurückzukommen.


Aber wo kann man “Karriere” an der Uni machen? Unbefristete Stellen gibt es an Deutschen Hochschulen viele: für Buchhalter, Hausmeister, Sekretärinnen und Fahrer. Und dann gibt es noch die Professorenstellen. Aus der Perspektive eines Wissenschaftlers ist das blanker Zynismus. Als Wissenschaftler baut man mühevoll eine Gruppe auf, definiert Forschungsthemen und kämpft sich in die Journale. Der Lohn ist der Rausschmiss nach 6 Jahren. Wer Karriere an Deutschen Hochschulen machen möchte, sollte als Hausmeister seine wissenschftlichen Veröffentlichungen schreiben. Bloss nicht in der Forschung.




Folgende Probleme gibt es an deutschen Hochschulen:


1) Es gibt keine Karriereleiter an Deutschen Hochschulen. Alle Stellen unterhalb der Professur sind befristete Forschungsprojekte. Oftmals auf 2 Jahre befristet (siehe z.B. den Zeit Stellenmarkt). Solch kurze Beschäftigungszeit führt zu schlechter Forschung, da man in zwei Jahren kein Projekt sinnvoll durchführen kann. Gleichzeitig führt es aber auch schlechter Lehre. Die Lehre wird auf ein Minimum reduziert, um in den zwei Jahren noch etwas in der Forschung zu schaffen. Glücklich ist der, der binnen zwei Wochen den Hörsaal leergelesen hat oder sein Seminar im Sommersemester auf Donnerstage legen konnte.


Lösung: Einrichtung von Lektorenstellen, die ihr Geld durch Studiengebühren erwirtschaften. Die Stellen werden primär über die Lehre finanziert. Je mehr Studenten desto mehr Geld für die Lehre. Forschung kann parallel betrieben werden falls man Gelder bewilligt bekommt. Von diesen Geldern können dann Doktoranden und Hilfskräfte bezahlt werden. Ggf kann der Lektor sich auch “freikaufen”, um nur Forschung machen zu können.


2) Die Hochschulen sind Einrichtungen des Landes. Das liefert mehrere Probleme: a) Alle Wissenschafter werden nach 6 Jahren entlassen und können auch keine neue Stelle in der Forschung annehmen. Dieser Automatismus ist eine direkte Konsequenz aus dem Beamten- und Angestelltengesetz. b) Die Hochschulen haben keine Finanzautonomie. Sie können nicht selbst Studiengebühren festsetzen/erheben und von diesem Geld Stellen in der Lehre bezahlen.

Die Gelder des Landes wandern zu einem grossen Teil in die Verwaltung der Universitäten.


Lösung: die Universitäten in GmbHs umwandeln. Die Unis werden finanzautonom. Das Land ist Gesellschafter der Universitäten und versorgt sie mit leistungsabhängigen Zuschüssen. Den Rest muss die Universität über Studiengebühren oder Drittmittel erwirtschaften. Das erhöht sowohl die Qualität der Lehre und als auch die Qualität der Forschung. Wo sich die Lehrenden Mühe geben, gibt es mehr Studenten. Gleichzeitig sind die Stellen der Lehrenden gesichert. Wo sich Forscher Mühe geben, gibt es mehr Gelder von der DFG oder der Industrie und die Forschung wird besser. Defizitäre Bereiche, können vom Aufsichtsrat der Hochschule geschlossen werden. Genauso können auch neue Bereiche geschafften werden. Die Unis können selbst entscheiden und unterliegen nicht der Genehmigungspflicht des Landes.

Die Aufgabe des Landes ist es, die Zuschüsse leistungsbezogen den Universitäten zukommen zu lassen. Die Zuschüsse an die Unis müssen Fakultätsbezogen sein: alle 5 Jahre werden die Fakultäten sowohl in der Lehre als auch in der Forschung vom Land evaluiert. Die Zuschüsse werden entsprechend den Ergebnissen der Evaluation verteilt.

Die Verwaltung der Universität wird von den Wissenschaftlern und Studenten evaluiert. Der Aufsichtsrat entscheidet dann über die Konsequenzen (Stellenausbau, Kürzungen, etc).


...und das ist die Antwort:


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